Vegan ist nicht automatisch gesund. Und schon gar nicht automatisch kalorienarm.

Heute, am 1. November, ist Weltvegantag. Ein Tag, der sich mit einer Lebensweise beschäftigt, die weit über das hinausgeht, was täglich auf unserem Teller landet.

Ich selbst ernähre mich nicht vegan. Auch nicht vegetarisch. Trotzdem landen bei mir durchaus regelmäßig vegetarische und gelegentlich auch vegane Gerichte auf dem Tisch. Nicht unbedingt aus Überzeugung, sondern schlicht, weil sie mir schmecken. Schließlich muss nicht in jeder Mahlzeit Fleisch stecken.

Beim Veganismus geht es allerdings um weit mehr als Ernährung. Es geht um Tierwohl, Massentierhaltung, Tierversuche, die Herstellung von Kleidung und Kosmetik und darum, die Ausbeutung von Tieren möglichst zu vermeiden. Das ist zunächst einmal unabhängig davon, ob ein Lebensmittel gesund ist oder wie viele Kalorien es enthält.

Und genau hier möchte ich heute ansetzen. Denn mir fällt immer wieder auf, dass vegan gerne mit gesund gleichgesetzt wird. Manchmal sogar mit kalorienarm. Dabei sind das drei völlig unterschiedliche Dinge.

Vegan bedeutet nicht automatisch gesund

Ein Lebensmittel ist vegan, wenn es keine tierischen Bestandteile enthält. Ob es deshalb besonders nährstoffreich, ausgewogen oder gesund ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Nehmen wir beispielsweise Pommes frites. Werden sie in Pflanzenöl zubereitet und kommen ohne tierische Zusätze aus, sind sie vegan. Das macht sie aber weder kalorienarm noch automatisch zu einer besonders gesunden Mahlzeit.

Dasselbe gilt für Chips, Kekse, Schokolade oder zahlreiche Süßigkeiten. Auch diese können vollständig vegan sein und trotzdem reichlich Zucker, Fett und Kalorien enthalten.

Besonders interessant finde ich die zahlreichen veganen Ersatzprodukte, die inzwischen in den Supermarktregalen stehen. Vegane Burger, Würstchen, Schnitzel, Käsealternativen und Fertiggerichte. Manche davon haben durchaus eine günstige Nährstoffzusammensetzung, andere enthalten viel Salz, gesättigte Fettsäuren oder vergleichsweise wenig Eiweiß.

Das ist übrigens kein exklusives Problem veganer Lebensmittel. Auch tierische Produkte und herkömmliche Fertiggerichte können ernährungsphysiologisch ziemlich bescheiden abschneiden.

Entscheidend ist nicht allein, ob ein Produkt vegan ist, sondern was tatsächlich drinsteckt.

Vegan bedeutet auch nicht kalorienarm

Gerade beim Abnehmen ist dieser Unterschied wichtig.

Wer sich vegan ernährt, nimmt nicht automatisch ab. Schließlich entscheidet beim Gewichtsverlust grundsätzlich die Energiebilanz darüber, ob das Körpergewicht sinkt oder nicht.

Und pflanzliche Lebensmittel können es kalorientechnisch durchaus in sich haben.

Ein paar Beispiele:

  • 100 Gramm Nüsse liefern je nach Sorte ungefähr 550 bis 700 Kalorien.
  • 100 Gramm Erdnussbutter enthalten häufig rund 600 Kalorien.
  • 100 Gramm Olivenöl bringen es auf etwa 884 Kalorien.
  • 100 Gramm Zartbitterschokolade enthalten oft 500 bis 600 Kalorien.
  • Eine größere Portion vegane Lasagne kann kalorientechnisch durchaus mit einer klassischen Lasagne mithalten.

Natürlich sind Nüsse und Olivenöl deshalb keine schlechten Lebensmittel. Ganz im Gegenteil: Sie liefern wertvolle ungesättigte Fettsäuren und teilweise weitere wichtige Nährstoffe. Nur verschwinden ihre Kalorien eben nicht auf wundersame Weise, weil sie pflanzlichen Ursprungs sind.

Umgekehrt gibt es zahlreiche vegane Lebensmittel, die sich hervorragend für eine kalorienbewusste Ernährung eignen. Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Obst und viele Vollkornprodukte können sättigen, wichtige Nährstoffe liefern und Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein.

Eine große Gemüsepfanne mit Linsen kann beispielsweise eine ausgesprochen sättigende Mahlzeit sein, ohne dass dafür Unmengen an Kalorien zusammenkommen müssen.

Aber auch hier kommt es auf die Zubereitung und die Portionsgröße an.

Pflanzlich ist nicht gleich pflanzlich

Ein weiterer Punkt, den ich wichtig finde: Eine vegane Ernährung kann sehr unterschiedlich aussehen.

Jemand, der überwiegend Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen isst, ernährt sich vollkommen anders als jemand, dessen Speiseplan hauptsächlich aus veganen Fertiggerichten, Weißmehlprodukten und Süßigkeiten besteht.

Beide ernähren sich vegan. Die gesundheitlichen Auswirkungen können dennoch erheblich voneinander abweichen.

Das gilt selbstverständlich genauso für Mischkost. Wer Fleisch und Milchprodukte isst, ernährt sich dadurch weder automatisch gesund noch ungesund.

Auch bei der Nährstoffversorgung muss man genauer hinsehen. Eine gut geplante vegane Ernährung kann viele wichtige Nährstoffe liefern. Vitamin B12 muss bei einer rein veganen Ernährung allerdings zuverlässig ergänzt werden. Auch die Versorgung mit beispielsweise Jod, Calcium, Eisen und Omega-3-Fettsäuren verdient besondere Aufmerksamkeit.

Es reicht also nicht, einfach tierische Produkte wegzulassen und davon auszugehen, dass der Rest schon irgendwie passt.

Und was bedeutet das fürs Abnehmen?

Für mich ist beim Abnehmen nicht entscheidend, ob ein Lebensmittel das Etikett „vegan“ trägt. Mich interessiert vielmehr, wie es zusammengesetzt ist, wie gut es sättigt und wie es in meine Ernährung passt.

Wie viele Kalorien enthält es? Wie viel Eiweiß liefert es? Wie sieht es mit Ballaststoffen aus? Und vor allem: Schmeckt es mir überhaupt?

Denn was nützt mir ein angeblich besonders gesundes Lebensmittel, wenn ich es nicht mag?

Ich muss auch kein veganes Schnitzel essen, nur weil es vegan ist. Wenn ich Lust auf ein Gemüsecurry mit Kichererbsen habe, esse ich eben das. Ganz ohne Ersatzprodukt und ohne das Gefühl, gerade irgendeine Ernährungsphilosophie vertreten zu müssen.

Gerade beim Abnehmen finde ich es problematisch, wenn einzelne Begriffe auf Verpackungen einen Gesundheitsbonus suggerieren, den das Produkt möglicherweise gar nicht verdient.

Vegan, bio, proteinreich, zuckerfrei oder fettarm – all diese Angaben können etwas über ein Lebensmittel aussagen. Sie ersetzen aber keinen Blick auf die Nährwerte.

Ein veganer Schokoriegel bleibt schließlich ein Schokoriegel. Und wenn er 250 Kalorien enthält, dann sind das 250 Kalorien. Die Waage interessiert sich herzlich wenig für die Weltanschauung des Herstellers.

Veganismus verdient eine andere Betrachtung als eine Diät

Bei aller Kritik an der Gleichsetzung von vegan und gesund sollte man eines nicht vergessen: Veganismus ist in erster Linie keine Abnehmstrategie.

Wer aus ethischen Gründen vegan lebt, möchte Tierleid und die Nutzung tierischer Produkte möglichst vermeiden. Ob die vegane Pizza nun 600 oder 900 Kalorien hat, ist für diese Entscheidung zunächst völlig unerheblich.

Und genau darin liegt der Unterschied zwischen Veganismus und einer Ernährungsweise, die hauptsächlich auf Gesundheit oder Gewichtsabnahme ausgerichtet ist.

Man muss sich nicht vegan ernähren, um Tierwohl wichtig zu finden und seinen Konsum tierischer Produkte kritisch zu hinterfragen. Umgekehrt muss jemand, der vegan lebt, weder abnehmen wollen noch besonderen Wert auf eine kalorienarme Ernährung legen.

Veganismus beschreibt also nicht automatisch, wie gesund oder kalorienbewusst jemand isst, sondern zunächst, welche tierischen Produkte er aus ethischen Gründen vermeidet.

Mein Fazit

Vegan kann gesund sein. Vegan kann kalorienarm sein. Vegan kann beim Abnehmen helfen.

Aber nichts davon passiert automatisch, nur weil keine tierischen Zutaten enthalten sind.

Eine ausgewogene Ernährung hängt von der gesamten Lebensmittelauswahl, den Nährstoffen, den Portionsgrößen und den persönlichen Bedürfnissen ab. Nicht von einem einzelnen Begriff auf der Verpackung.

Wer abnehmen möchte, sollte deshalb auch bei veganen Produkten genauer hinschauen. Und wer sich aus ethischen Gründen vegan ernährt, muss sich nicht daran messen lassen, ob seine Lebensmittel besonders kalorienarm sind.

Denn Veganismus und Gewichtsabnahme verfolgen zunächst einmal völlig unterschiedliche Ziele.

Bildhinweis: Bilder wurden KI generiert.


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